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Sonntagsgruß Nr 25/2006
Die Evangelische Akademie im Saarland bot ein Seminar
in einer neuartigen Veranstaltungsform an. Dazu gehörten auch Diskussionen
im Internet.
"Gemischtes Lernen"
von Helmut Paulus
"Für mich war die Seminarform ideal",
erzählt Anja Boltin. "Ich konnte entscheiden, wieviel
Zeit und wann ich sie investiere". Und das kommt ihr sehr gelegen,
macht die 31-jährige Psychologin doch gerade ein Baby-Pause.
Anja Boltin hat beim fünfwöchigen Kurs der Evangelischen
Akademie im Saarland "In Würde sterben - Was ist Lebensqualität
am Lebensende?" teilgenommen, der in einer neuartigen Form
stattfand. Die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich zu
drei Präsenzterminen, dazwischen wurde die Diskussion im Internet
fortgesetzt. "Blended Learning" heißt das in der
Fachsprache, übersetzt ganz einfach "gemischtes Lernen".
Das Seminar fand in Kooperation mit der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft
für Erwachsenenbildung statt, die mit Unterstützung des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung ethische Diskurse
im Internet fördern will. Dazu wurde unter der Adresse www.treffpunkt-ethik.de
eine Onlineplattform errichtet. Auf ihr hatte auch das Seminar der
Akademie seinen Platz. Mit einem Stichwort konnten die Teilnehmer
auf die Seminarinhalte zugreifen oder sich im Chat treffen. Mit
diesen Projekt soll wissenschaftlich untersucht werden, wie Blended-Learning-Konzepte
in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden können.
Dazu werden Multiplikatoren ausgebildet. Einer von ihnen ist Wolf-Dieter
Scheid, der zusammen mit Studienleiter Hans-Hermann Bendzulla das
Projekt der Akademie leitete. Sie sind davon überzeugt, dass
die Erwachsenenbildung nach neuen Wegen suchen muss. Diese Form
bietet viele Möglichkeiten, etwa für Behinderte oder für
Ältere, betont Scheid. Auch Anja Boltin hat die Arbeit von
zu Hause aus geschätzt. Dies sei auch praktisch für Menschen,
die im ländlichen Raum wohnten und nicht dauernd fortfahren
wollten. Trotzdem hält sie persönliche Treffen für
wichtig, gerade bei diesem schweren Thema: "Es war wichtig,
die anderen Teilnehmer kennengelernt zu haben. Man weiß, wer
liest mit."
Zum Seminar gehörte beim ersten Treffen auch eine Einführung
in das Internet und ein Probe-Chat. Bei diesem Online-Gespräch
verabreden sich die Teilnehmer zu einem festen Termin und schreiben
über die Tatstatur kleine Textnachrichten, die dann alle lesen
können. Außerdem gab es Dokumente zum Thema und wöchentlich
einen "Newsletter" per E-Mail, der von der Projektleitung
erstellt wurde. Die Teilnehmer konnten jederzeit Beiträge schreiben
oder selbst Texte zum Thema ins Netz stellen.
Der erste Chat fand mit der Bestatterin und Thanatologin Susanne
Duchenen statt, der zweite mit er Polizeiseelsorgerin Christine
Unrath. Dabei sei eine professionelle Begleitung wichtig, betont
Scheid, die auf einen roten Faden achte und darauf, dass auch keine
Frage verloren gehe: "Jeder muss ernst genommen werden".
Das Zweite Gruppenerlebnis war der spanische Film "Das Meer
in mir" von Alejandro Amenábar, der die Geschichte von
einem gelähmten Mann erzählt, der gerne Sterben möchte.
Den Abschluss bildete dann eine Führung durch das Beerdigungsinstitut
von Susanne Duchene in Ludweiler. Diese Idee sei im Laufe des Seminars
entstanden, berichtet Bendzulla.
Die bedien Leiter ziehen ein positives Resumée: Diese Form
der Erwachsenenbildung sei ein "Teil der Zukunft", erfordere
aber viel Flexibilität, betont Scheid. Durch die permanente
Möglichkeit mitzugestalten seien keine starren Konzepte möglich.
Wichtig sei auch eine seriöse Internetplattform sowie eine
gute Begleitung in technischen Fragen mit dem Computer - eine Erfahrung,
die der Dozent für Film- und Mediengestaltung immer wieder
macht.
Auch für Anja Boltin war das Seminar eine "tolle Sache".
"Ich konnte ein Dokument in aller Ruhe lesen und dann selbst
entscheiden, ob ich darauf reagiere." Oft sei aber ein intensiver
Austausch über das schwere Thema "Tod" entstanden,
bei dem oft eigene Erfahrungen eingeflossen seien. Und sie war begeistert
von der Mischung der Teilnehmer: Menschen aus der Hospizbewegung,
Pflegende, die sich professionell mit dem Tod auseinandersetzen
müssen, aber auch zwei Datenverarbeiter.
Flyer
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Glaube
und Alltag
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