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Claus Veeck
Das Thema "Was zeichnet ein gutes Foto aus?"
wird aus den verschiedensten Anlässen immer wieder - teils kontrovers
- diskutiert.
Antworten auf diese Frage gibt es viele.
Es finden sich jedoch wesentliche übereinstimmende Aussagen, nämlich:
Ein Bild soll:
- zum Nachdenken anregen
- etwas aussagen
- Spannung erzeugen
- sich auf das Wesentliche konzentrieren
- durchaus noch Fragen offenlassen oder sogar dazu anregen
- und: für sich selbst sprechen
Die Vorstellungen, wie der Fotograf solche Erwartungen im Bild und in seiner
Gestaltung umsetzt, sind stark subjektiv geprägt.Er hat dazu seine eigenen
Vorstellungen und vielfach seinen eigenen Stil entwickelt. Dass dies so ist,
zeigen die unterschiedlichsten Ergebnisse von Foto-Workshops und -Ausstellungen.
Wir hatten Gelegenheit, bei dem von der Evangelischen Akademie im Saarland in
Zusammenarbeit mit der Industriekultur Saar veranstalteten Workshop im Bergwerk
Göttelborn im September 2004 unsere Eindrücke fotografisch festzuhalten.
Der Workshop -übrigens nicht der erste- wurde begleitet
- von Herrn Hans Bendzulla
organisatorisch bestens bewerkstelligt - dies gilt auch für die nachfolgenden
Besprechungen - und
stieß auf großes Interesse, was sich insbesondere in der Vielzahl
der Teilnehmer widerspiegelte, wobei
erwähnt werden sollte, dass sich erfreulicherweise ein Reihe von jüngeren
Fotografen einfanden.
- von Herrn Delf Slotta,
dessen fachkundigen Erklärungen zu historischer Entwicklung, sozialen Verflechtungen
und bergbautechnischen Hintergründen des Bergwerks in hervorragender Weise
geeignet waren,
den Teilnehmern bei einem Rundgang die wesentlichen Ereignisse der Grube aus
der
Vergangenheit, aber auch die Erwartungen und Perspektiven für die Zukunft
zu vermitteln.
- von Herrn Fotografenmeister Florian Brunner,
der als überaus fachlich kompetenter Begleiter für Fragen in Gestaltung
und Aufnahmetechnik den
Teilnehmern während des Workshops jederzeit zur Verfügung stand.
In den Nachbesprechungen, zu denen erste Arbeitsergebnisse vorgelegt werden
konnten, wurde in einer angenehmen Atmosphäre über die Ergebnisse
gesprochen, man diskutierte darüber, was als gut befunden wurde und auch,
was der eine oder andere anders gemacht hätte. Hier war Herr Florian Brunner
nochmals gefragt. Er gab interessante Denkanstösse und Hinweise zu seiner
Sichtweise.
Folgende Punkte möchte ich besonders hervorheben:
- Die Teilnehmer des Workshops hatten ungehinderten Zugang zu vielen "Original
Schauplätzen" der Anlage
- Viele Gebäude, Einrichtungen Arbeitsplätze, Maschinen und Werkstücke
waren in einem unveränderten
Zustand vorhanden, sie sind geradezu das Paradebeispiel für eine Häufung
von Zeugnissen der saarländischen Industriegeschichte, ein Glücksfall
für jeden Fotografen, solch eine Örtlichkeit ( heute heißt das
: Location ) mit der Kamera erobern zu können
- Es herrschte fast eine gespenstige Atmosphäre, wenn man sich im Halbdunkel
an die Objekte der fotografischen Begierde herantastete, wobei häufig der
Eindruck entstand, dass dort noch gestern ein Mensch gearbeitet hatte:
- die an einer Wand lehnende Schippe
- eine mit Kohlenstaub gefüllte Schubkarre
- ein Kleidungsstück am Haken in einem offen stehenden Spind
- der unaufgeräumte Arbeitstisch mit Aschenbecher und Zigarettenkippen
Selbst der Geruch von Grube und Arbeit war noch zu spüren.
- Das Bergwerk war auch wegen seiner Größe prädestiniert für
einen solchen Workshop, man lief sich nicht gegenseitig "in den Füßen
herum", es verblieb genügend Zeit für die Vorbereitung der Aufnahmen,
ohne dass einem ein Nachfolger im Nacken saß oder die Linse kreuzte.
- Motive gab es für fast jede Stilrichtung:
- wir fanden Objekte für Makroaufnahmen, ebenso Farben und Formen, aber
auch die Architektur konnte auf Film oder Aufnahmechip gebannt werden und -
ganz wichtig - die Anhänger der dokumentarischen Fotografie wurden mehr
als zufrieden gestellt.
- Ich bin sicher: für viele der Fotografen gab es manche Dinge zum ersten
Mal im Leben zu sehen.
- Der Workshop erstreckte sich über den Vor- und Nachmittag; dies war besonders
wichtig, um die Gegebenheiten mit den passenden Lichtverhältnissen zu verbinden.
Ohne dies hätte manche Aufnahme nicht entstehen können.
Zurück zur Ausgangsfrage:
Es waren also beste Voraussetzungen vorhanden, um zu einem guten und interessanten
Bild zu kommen.
Ob das gelungen ist, muss der Betrachter selbst beurteilen.
Wir laden Sie ein, sich die Grube Göttelborn aus unserer fotografischen
Sicht im Bild anzusehen.
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