|
Erklärungen zur Präsentation
der Seelenbretter in der Johanneskirche Saarbrücken
Die Kunstaktion Seelenbretter der Künstlerin
Bali Tollak
Die Künstlerin Bali Tollak aus Schwabbruck (Oberbayern) hat
30 Seelenbretter in der Johanneskirche in Saarbrücken aufgestellt.
Insgesamt verfügt die Künstlerin derzeit über 170
bemalte und beschriftete Bretter, die im November 2007 im Künstlerhaus
Wien, in der Bartholomäuskapelle Paderborn und Dominikanerkirche
in Münster sowie auf den Friedhöfen in Bad Segeberg und
in Ilten bei Hannover zu sehen sind.
Begonnen hat Bali Tollak ihre Kunstaktion Seelenbretter
im Jahre 2002 zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Fotografen Wolfgang
Dennig, wobei beide mit ihren acht Aktionsbrettern reisten und diese
in Landschaften an exponierten Orten aufstellten. Inspiriert wurde
die Künstlerin zu ihren Seelenbrettern durch Totenbretter im
Bayerischen Wald, die dort als Flurdenkmale von vergangenen Bestattungsriten
und einer besonderen Art innig besinnlicher Totenehrung künden.
Was sind Totenbretter?
Totenbretter wurden in der Frühzeit zur Aufbahrung und Beerdigung
der Verstorbenen verwendet, bis mit der Sargbestattung diese traditionelle
Form mit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch in den ländlichen
Gebieten Bayerns endgültig verschwand. Übriggeblieben
sind heute nur vereinzelt Totenbretter in der Oberpfalz und im Bayerischen
Wald, die im Schutz von Hausdächern oder am Wegesrand anzutreffen
sind.
Und was sind nun Seelenbretter ?
Die Seelenbretter der Künstlerin sind keine Toten- oder Bahrbretter,
kein Verstorbener hat auf ihren Brettern gelegen, sondern die Seelenbretter
verstehen sich als ein memento mori* an uns Lebende.
Während früher der Dorfschreiner und Dorfmaler ein Totenbrett
ausschließlich für einen Toten anfertigte und verzierte,
sind die Bretter der Künstlerin nur an uns Lebende gerichtet.
Bali Tollak ist auf der Suche nach dem, was vom Menschen jenseits
aller Lebensinszenierungen übrig bleibt, wenn er alle Rollen
und gesellschaftlichen Determinanten abgeschüttelt hat. Stumm
und beredet zugleich sind die Seelenbretter in die Welt gestellt,
geben den Blick des Betrachters letztlich an ihn zurück
wir schauen doch nur auf uns selbst.
Warum die Zitate, Symbole und Farben ?
Bei der Begegnung mit den Seelenbrettern besticht deren farbenfrohe
Ornamentik und Symbolik sowie deren Sprüche von Philosophen,
Künstlern, Mystikern und Bibelzitaten. Die Botschaften auf
den Seelenbrettern sind Lebenssinnsprüche von der Antike bis
heute.
Die Symbolik dagegen ist kulturübergreifend, die Rose steht
für Leben und Tod sowie die Jungfrau Maria. Die Sonne ist Symbol
des Lebens. Spiralformen, die Jakobsmuschel und das Meer künden
die Ewigkeit und die Pilgerschaft des Menschen auf Erden.
Auf der Rückseite der Seelenbretter hat die Künstlerin
mit ihrem farbigen Handabdruck den Autor oder den Hinweis des vorderseitigen
Lebensspruchs begleitet. Der Abdruck der Hand ist eine archaische
Metapher für den Menschen selbst. Man sieht Handabdrücke
unserer Vorfahren in steinzeitlichen Höhlen, doch auch später,
auf Pilgerreisen, hinterließen die Wanderer in so mancher
Kirche ihren Händeabdruck. Die Farbe rot steht für Blut
und Liebe, blau für Transzendenz, gelb für Sonne und Leben,
lila und gold für Spiritualität. Grün ist die Farbe
der Hoffnung und der Natur, weiß der Reinheit und Unschuld,
schwarz der Trauer und Vergänglichkeit.
Warum also die Seelenbretter ?
Bali Tollak malt ihre Seelenbretter für uns Lebende, sie sollen
darauf hinweisen, dass die Verstorbenen und die Lebenden nicht wirklich
getrennt sind. Seelenbretter sollen den Betrachter anregen zum Innehalten
und
Sinnieren, zum Stillwerden in unserer lauten und hektischen Zeit.
Sie vergegenwärtigen Jetztzeit und Vergangenheit und künden
von der Vergänglichkeit irdischen Seins.
* memento mori lat. gedenke des Todes, denke
daran, dass du sterben musst
Homepage
der Künstlerin
|