|
|
|
Die Alte Schmelz
in St. Ingbert
|
um 1900
|
|
ein einzigartiges Ensemble aus Fabrik-, Siedlungs-
und Landschaftsarchitektur
|
Text und Fotos: Hans-Werner Krick |
| |
|
|
|
Dampfmaschine vor 1894
|
Es begann mit einem Mühlrad.
Zunächst bewegte es knapp 20 Jahre lang die Mühlen der Verwaltung. Dann
endlich, 1732, konnte sich das Haus von der Leyen entschließen, in St. Ingbert
den Bau einer Eisenhütte zu genehmigen.
Dabei waren die Voraussetzungen außerordentlich günstig. Wasser zum
Antrieb der Blasebälge und Schmiedehämmer, Eisenerze zur Gewinnung von
Roheisen und Holz zur Herstellung von Holzkohlen standen vor Ort zur Verfügung.
Und es gab im Lande der Reichsgrafen keine andere Eisenschmelze, wohl aber Bedarf
an Eisenwaren: von der Pfanne bis zur Kanone, von der Ofenplatte bis zum Nagel. |
|
Richtig in Schwung kam der Laden aber erst gut hundert
Jahre später, als er schon im Besitz der protestantischen Unternehmerfamilie
Krämer war.
Gießerei um 1950
|
 |
Die zweite Generation, vertreten durch die
Brüder Philipp Heinrich d. J, ein Kaufmann, und Friedrich,
ein erfahrener und gereister Ingenieur, modernisierte das Werk von Grund auf.
Dampfmaschinen wurden installiert, leistungsfähigere Walzstraßen gebaut,
neue Hochöfen, die mit Koks befeuert wurden und ein modernes Stahlwerk. |
| Als sich nach gut hundert Jahren die Kraemers
von ihrem Werk trennten und es der Rümelinger und St. Ingberter Hohöfen
und Stahlwerke AG einverleibten, war aus der kleinen Eisenhütte an der Großbach
ein moderner Großbetrieb mit rund 2000 Beschäftigten geworden, der
nicht nur in Deutschland einen guten Namen hatte.
Mechanische Werkstatt ca. 1910
|
 |
| Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde es
jedoch still auf dem Werksgelände, das einmal gut viermal so groß war
wie die St. Ingberter City. Die Stahlkrise hatte das Werk fest im Würgegriff.
Die Hochöfen waren längst erloschen und samt Stahlwerk abgerissen, die
Walzstraßen schon lange demontiert und nun wurde auch der komplette Baustahlbereich
stillgelegt. Ob der Drahtzug überleben würde, das stand in den Sternen.
Nachkriegszeit
|
 |

Walzwerk um 1950
|
Erst in den neunziger Jahren, als die Portierhäuser
nicht mehr besetzt und große Teile des Werksgeländes mehr oder weniger
frei zugänglich waren, entdeckte die sogenannte Öffentlichkeit "die
Schmelz". Mitten in der Stadt tauchte ein bislang übersehenes oder im
Wert völlig unterschätztes Kleinod aus alten Fabrikgebäuden, einem
verwilderten Landschaftspark und einer allmählich verfallenden, aber noch
bewohnten Werkssiedlung auf. Denkmalschützer schlugen Alarm und rührten
die Werbetrommel, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Planer und Investoren wurden
aufmerksam und aktiv, mit wechselnden Ideen und Erfolgen. Die Bewohnerinnen und
Bewohner der Siedlung organisierten sich als Genossenschaft, übernahmen die
Werkswohnungen und machen sie seither zu ihrem eigenen Zuhause. |
| Die "Brache Alte Schmelz", deutlich
größer als die Stadtmitte St. Ingberts, ist auf dem Weg in eine neue
Zukunft. Wohin die Reise geht, wie lange sie dauert, wie beschwerlich der Weg
werden wird, das alles ist noch nicht abzusehen. Doch Konturen kann man bereits
erahnen, Visionen entwickeln, Hoffnungen, Wünsche und Zielvorstellungen formulieren.
Es wird ein langer Marsch werden, soviel ist sicher. Ob es der große Sprung
nach vorn werden wird, ist keinesfalls ausgemacht. |

Rentrischer Schlösschen vor 1970
|
| Das Mühlrad von einst klappert schon
lange nicht mehr an Großbach und Schmelzkanal. Heute klappern die Absätze
der Besucherinnen und Besucher über das alte Kopfsteinpflaster. Immer häufiger
kommen Menschen, um sich vor Ort inspirieren zu lassen, um sich selbst ein Bild
zu machen von den industriekulturellen Relikten. |

Direktorenvilla
|
|
|
| |
|
vor dem Zweiten Weltkrieg
|
nach der Renovierung
|
|
|